Ein Durchbruch in der Veterinärmedizin könnte bald die dringend benötigte Linderung für Hunderassen mit „flachem Gesicht“ bringen. Nach 15 Jahren intensiver Forschung haben Wissenschaftler des Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) und des Biotechnologieunternehmens Snoretox eine neue injizierbare Behandlung entwickelt, die Atembeschwerden bei Hunden mit verkürzter Schnauze lindern soll.
Die Wurzel des Problems: BOAS
Das Ziel dieser Forschung ist das Brachycephalic Obstructive Airway Syndrome (BOAS). Dieser Zustand ist eine direkte Folge Generationen selektiver Zucht, bei der bestimmte ästhetische Merkmale – wie die Stupsnasen von Möpsen, Bulldoggen und Frenchies – Vorrang vor der biologischen Funktion haben. Durch die Verkürzung der Schädelknochen hat der Zuchtprozess unbeabsichtigt die Atemwege verengt.
Die Auswirkungen von BOAS sind weit verbreitet und schwerwiegend:
– Hohe Prävalenz: Eine Studie in PLOS One ergab, dass fast 90 % der untersuchten Hunde mit flachem Gesicht unter Atembeschwerden litten, wobei über die Hälfte als „klinisch signifikant“ eingestuft wurde.
– Umfassende Auswirkungen: Während Möpse und Bulldoggen die bekanntesten Opfer sind, betrifft die Krankheit auch Shih Tzus, Boston Terrier, King Charles Spaniels, Zwergspitz, Boxer und Chihuahua.
– Lebensbedrohliche Folgen: Abgesehen von ständigem Schnarchen und Schlafstörungen schränkt BOAS die Bewegungsfähigkeit eines Hundes ein. Dies führt häufig zu Fettleibigkeit, was die Atemnot noch verschlimmert und zu einer deutlich kürzeren Lebenserwartung im Vergleich zu Langnasenrassen führt.
Eine nicht-invasive Alternative zur Operation
Bisher waren Tierhalter gezwungen, zwischen zwei schwierigen Wegen zu wählen: medizinische Behandlung (wie Gewichtskontrolle und Beruhigungsmittel) oder invasive Operation, um die Nasenlöcher zu erweitern und überschüssiges Rachengewebe zu entfernen. Obwohl eine Operation lebensrettend sein kann, birgt sie eine Sterblichkeitsrate von fast 3 % und stellt ein erhebliches Risiko für bereits geschädigte Tiere dar.
Die neue Behandlung Snoretox-1 bietet einen Mittelweg.
So funktioniert es:
- Mechanismus: Bei der Behandlung wird eine modifizierte Version des Tetanustoxins verwendet, wobei ein aktives Toxin mit einer „inaktivierten Lockvogel“-Version kombiniert wird.
- Anwendung: Es wird direkt in den Geniohyoidmuskel injiziert, der sich im Mund in der Nähe des Rachens befindet.
- Ziel: Die Injektion verbessert den Muskeltonus im Mund, was dazu beiträgt, die Atemwege physisch offen zu halten und die Obstruktion zu reduzieren, ohne dass Skalpelle erforderlich sind.
Erste Ergebnisse und Zukunftsaussichten
In ersten klinischen Versuchen mit sechs Bulldoggen waren die Ergebnisse vielversprechend. Die Besitzer berichteten, dass die Hunde spürbare Verbesserungen in ihrer Fähigkeit zeigten, mit körperlicher Aktivität umzugehen; Spaziergänge, bei denen die Hunde zuvor um Luft ringen mussten, konnten mit viel weniger Aufwand bewältigt werden.
Es bleiben jedoch noch einige Fragen offen, bevor dies zu einem Standardinstrument für die Veterinärmedizin wird:
1. Langlebigkeit: Es ist noch nicht klar, wie lange die Wirkung der Injektion anhält und wie oft sie wiederholt werden muss.
2. Skalierbarkeit: Weitere Tests sind erforderlich, um festzustellen, ob die Behandlung bei verschiedenen Rassen und möglicherweise sogar bei anderen Tierarten gleichermaßen wirksam ist.
3. Verfügbarkeit: Snoretox hat noch keinen endgültigen Zeitplan dafür bekannt gegeben, wann die Behandlung für die Öffentlichkeit kommerziell erhältlich sein wird.
„Dieses Projekt konzentriert sich darauf, einen echten Unterschied für Tiere zu bewirken, mit dem Potenzial für weitreichendere Auswirkungen in der Zukunft“, erklärte Calum Drummond, stellvertretender Vizekanzler für Forschung und Professor des RMIT.
Fazit
Während sich Snoretox-1 noch in der Testphase befindet, stellt es einen bedeutenden Schritt hin zur Bewältigung der biologischen Kosten der selektiven Züchtung dar. Im Erfolgsfall könnte diese Behandlung die Lebensqualität von Millionen brachyzephaler Hunde verbessern und ihnen eine sicherere und weniger invasive Methode zum Atmen bieten.
