Lindsey Vonn, die berühmte olympische Skirennläuferin, berichtete kürzlich über ihren Kampf gegen das Kompartmentsyndrom, nachdem sie sich während eines Rennens einen schweren Beinbruch zugezogen hatte. Diese ungewöhnliche, aber gefährliche Erkrankung verdeutlicht die extreme körperliche Belastung, die Spitzensportler ertragen müssen – und die dringende Notwendigkeit einer schnellen Diagnose und Behandlung.

Was ist das Kompartmentsyndrom?

Das Kompartmentsyndrom tritt auf, wenn die Schwellung innerhalb eines Muskelkompartiments – dem Raum zwischen Muskel und Faszie (einem zähen Bindegewebe) – gefährliche Ausmaße annimmt. Die Faszie selbst lässt sich nicht leicht dehnen, sodass der zunehmende Druck die Durchblutung unterbricht, was zu Gewebeschäden, Nervenkompression und möglicherweise zum Verlust von Gliedmaßen führt.

Warum es wichtig ist: Dies ist nicht nur ein Problem von Sportlern. Jede schwere Verletzung (z. B. eine Fraktur) kann zu einer schnellen Schwellung führen, und wenn sie nicht behandelt wird, kann sich innerhalb von Stunden ein Kompartmentsyndrom entwickeln. Frühzeitiges Erkennen ist entscheidend, da schnell irreversible Schäden entstehen.

Symptome erkennen: Die „5 Ps“

Ärzte suchen nach fünf Schlüsselindikatoren – den „5 Ps“ – um ein Kompartmentsyndrom zu diagnostizieren:

  • Schmerz: In keinem Verhältnis zur Verletzung, wird trotz minimaler körperlicher Reaktion oft als quälend beschrieben.
  • Blässe: Ungewöhnliche Blässe in der betroffenen Extremität.
  • Parästhesie: Kribbeln oder Taubheitsgefühl.
  • Lähmung: Unfähigkeit, das Glied zu bewegen.
  • Pulslosigkeit: Fehlen eines Pulses (ein Zeichen im Spätstadium).

Ärzte verlassen sich in hohem Maße auf die Schmerzmeldung des Patienten, da die betäubende Wirkung des Druckaufbaus die Schwere der Verletzung verschleiern kann.

Die einzige Behandlung: Fasziotomie

Die einzig wirksame Behandlung ist eine Fasziotomie – ein chirurgischer Eingriff, bei dem lange Schnitte durch Haut und Faszien vorgenommen werden, um den Druck zu lindern. Dadurch können sich geschwollene Muskeln ausdehnen und die Durchblutung wird wiederhergestellt.

Der Kompromiss: Die Fasziotomie ist zwar lebensrettend, hinterlässt aber tiefe, offene Wunden, die eine umfassende Genesung erfordern. In einigen Fällen kann das Kompartmentsyndrom durch chirurgische Eingriffe selbst (z. B. Neuausrichtung der Knochen) ausgelöst werden, da der plötzliche Blutfluss zu einer weiteren Schwellung führt.

Wie häufig kommt es vor?

Das Kompartmentsyndrom ist nicht weit verbreitet und betrifft etwa 1–10 % der Frakturen. Allerdings bergen schwere Verletzungen, insbesondere an Röhrenknochen, ein höheres Risiko. Sportler, die ihren Körper auf die Spitze treiben – wie Vonn – sind besonders gefährdet, aber jeder mit einem schweren Trauma sollte sich der Symptome bewusst sein.

Das Fazit: Das Kompartmentsyndrom ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Wenn Sie einen Verdacht haben, suchen Sie sofort einen Arzt auf. Eine Verzögerung kann zu dauerhaften Nervenschäden, Muskelnekrose oder sogar einer Amputation führen.