Wissenschaftler haben einen überraschenden Prozess entdeckt, der unter der massiven Eisdecke Grönlands abläuft: thermische Konvektion. Das bedeutet, dass sich Teile des Eises eher wie eine Flüssigkeit als wie ein Feststoff verhalten, wobei wärmere Bereiche aufsteigen und kühlere Bereiche absinken – ähnlich wie Lava im Erdmantel brodelt. Die in The Cryosphere veröffentlichte Entdeckung verändert unser Verständnis der Eisschildstabilität und der Schmelzdynamik dramatisch.

Das Geheimnis der grönländischen „Federn“

Jahrelang beobachteten Forscher ungewöhnliche Strukturen, sogenannte „Plumes“, tief im Eis. Diese Formationen entzogen sich einer einfachen Erklärung, da traditionelle Modelle davon ausgingen, dass Eis ein starres Material sei. Nun ist klar, dass lokale Erwärmung durch Geothermie oder Reibung am Grundgestein Temperaturunterschiede erzeugt, die Konvektionsströme antreiben. Durch diesen Prozess wird das Eis in bestimmten Bereichen effektiv aufgeweicht, wodurch es anfälliger für Schmelzen und Bewegungen wird.

Warum das wichtig ist: Ein sich schnell änderndes Klima

Die Bedeutung dieses Befundes kann nicht genug betont werden. Grönlands Eisschild schmilzt bereits immer schneller und trägt direkt zum globalen Anstieg des Meeresspiegels bei. Für genaue Vorhersagen ist es entscheidend zu verstehen, wie es schmilzt. Thermische Konvektion bedeutet, dass einige Gebiete möglicherweise schneller schmelzen als bisher angenommen, während es in anderen zu unvorhersehbaren Verschiebungen des Eisflusses kommen kann.

„Wir stellen uns Eis normalerweise als festes Material vor, daher ist die Entdeckung, dass Teile des grönländischen Eisschildes tatsächlich einer thermischen Konvektion unterliegen, die einem kochenden Topf Nudeln ähnelt, ebenso wild wie faszinierend“, sagte Andreas Born, Professor für Geowissenschaften an der Universität Bergen in Norwegen.

Das Ausmaß der Bedrohung

Die Eisdecke Grönlands bedeckt über 650.000 Quadratmeilen. Würde es vollständig schmelzen, würde der globale Meeresspiegel um katastrophale 24 Fuß ansteigen. Auch wenn diese Entdeckung keine Garantie für ein schnelleres Schmelzen ist, unterstreicht sie doch die Komplexität des Verhaltens des Eisschildes. Präzisere Modelle, die thermische Konvektion einbeziehen, sind heute für zuverlässige Meeresspiegelprognosen unerlässlich.

Letztendlich verdeutlicht die Entdeckung der thermischen Konvektion im grönländischen Eisschild den dringenden Bedarf an weiterer Forschung in den Polarregionen. Eine genaue Modellierung der Eisschmelzraten ist für die Vorbereitung der Küstengemeinden und die Abmilderung der schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels von entscheidender Bedeutung.