Berufspiloten fliegen selten direkt in ein Gewitter hinein, nicht weil es zwangsläufig katastrophal wäre, sondern weil es vermeidbar wäre. Die moderne Luftfahrt ist auf ein mehrschichtiges System aus Überwachungs-, Kommunikations- und Vermeidungstechniken angewiesen, um Flüge reibungslos und sicher zu gewährleisten. Der Film Plane aus dem Jahr 2023 zeigt ein dramatisches Sturmszenario, die Realität ist jedoch weitaus kontrollierter.

Stürme in Echtzeit verfolgen und vermeiden

Piloten verlassen sich nicht nur auf Vorhersagen vor dem Flug; Sie nutzen Echtzeitdaten. Vor jedem Flug stellen Meteorologen detaillierte Satellitenkartierungen zur Verfügung, aber die Bedingungen ändern sich schnell. Um dies zu kompensieren, überwachen Piloten ständig das Bordradar und das Wettervermeidungssystem (WAS). Dieses Gerät identifiziert Sturmstandorte, Höhen, Bewegungsgeschwindigkeiten und Intensität.

Auch über die Flugsicherung tauschen Piloten untereinander Informationen aus. Bei Turbulenzen senden die Piloten Warnungen an andere Flugzeuge in der Umgebung. Dieses kollektive Bewusstsein ermöglicht es den Besatzungen, Höhen- oder Routenänderungen anzufordern, um Stürme zu umgehen – wobei in der Regel ein Abstand von mindestens 10 bis 20 Meilen zu Unwettern eingehalten wird. Das Radar zeigt die Intensität farblich an, wobei Grün auf leichte Turbulenzen hinweist, Gelb auf Schwere und Rot auf Bedingungen, die unbedingt vermieden werden sollten.

Die Risiken des Fliegens durch Stürme

Während ein absichtliches Eindringen selten vorkommt, navigieren Piloten manchmal zwischen Sturmzellen. Dies erfordert ein genaues Timing, da sich das Wetter schnell ändern kann. Auch das Überfliegen von Stürmen ist riskant, da sich die Aufwinde bis auf Flughöhe (40.000–50.000 Fuß) ausdehnen können, was die Flughöhe unvorhersehbar macht.

Der größte Schaden durch Gewitter ist oft geringfügig: Hagel kann Flügel beschädigen, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen, obwohl Reparaturen Geld kosten. Stärkerer Hagel kann Windschutzscheiben zerbrechen, das Flugzeug bleibt jedoch kontrollierbar. Turbulenzen sind unangenehm, aber selten katastrophal; Piloten aktivieren den Autopiloten mit Turbulenzdurchdringungsgeschwindigkeit, um die Belastung des Flugzeugs zu minimieren.

Landung im Sturm: Das größte Risiko

Die gefährlichste Situation sind Turbulenzen in Bodennähe während der Landung. Windscherung – plötzliche Änderungen der Windgeschwindigkeit oder -richtung – stellt die größte Bedrohung dar. Moderne Flugzeuge verfügen über Windscherungserkennungssysteme und Flughäfen über Warnsysteme. Wenn dies erkannt wird, können Flüge in Warteschleifen geraten oder zu Ausweichflughäfen umgeleitet werden. Die Entscheidung liegt beim Kapitän, ist jedoch in der Regel eine Zusammenarbeit zwischen Piloten und Dispatchern.

Blitzeinschläge: Nicht so beängstigend, wie sie scheinen

Blitzeinschläge kommen überraschend häufig vor – manche Flugzeuge werden durchschnittlich zweimal im Jahr getroffen. Verkehrsflugzeuge sind darauf ausgelegt, diesen Erschütterungen standzuhalten, und verfügen über Backup-Systeme, die eingreifen, wenn die Primärsysteme ausfallen. Der Strom fließt wie bei einem Auto um den Rumpf herum und lässt die Passagiere unversehrt.

In der Praxis besteht die größte Gefahr bei Gewittern nicht in einem katastrophalen Ausfall, sondern in Unannehmlichkeiten. Die Vermeidung von Stürmen ist ein kalkulierter Prozess, bei dem die Sicherheit im Vordergrund steht und gleichzeitig Störungen im Flugplan minimiert werden.

Bei der Vermeidung von Unwettern geht es nicht um Glück; Es geht um mehrschichtige Systeme, ständige Überwachung und koordinierte Entscheidungsfindung. Während in Filmen Sturmszenarien dramatisiert werden, geht es in der realen Luftfahrt vor allem darum, sich von Unfällen fernzuhalten.